Alle Fragen und Antworten rund um die Schifffahrt


Welchen Sportbootführerschein benötige ich?

Das hängt davon ab, wo man fahren möchte. Amtlich vorgeschrieben sind die Sportbootführerscheine Binnen/Motor und See. D.h. anders als auf der Straße benötige ich im Seegebiet den Seeschein und im Binnenbereich den Binnenschein. In Bremen ist die Grenze zwischen der Seeschifffahrts- und der Binnenschifffahrtsstraße die Eisenbahnbrücke im Stadtzentrum. (Siehe nebenstehende Karte der Wasserstraßen von der WSV).
Beim Binnenschein gibt es zusätzlich die Möglichkeit eine freiwillige Segelqualifikation zu erwerben. Dieser Segelzusatz soll einen Einblick ins Segeln geben, wird ggf. von Vermietern beim Chartern von Jollen verlangt und wird benötigt auf bestimmten Gewässern der Landesregierungen (Dümmer, Steinhuder Meer, Zwischenahner Meer).


Welches ist für mich der richtige Sportbootführerschein?

So einfach ist diese Frage nicht zu beantworten, da es hier um die persönliche Strategie und Motivation geht, mit der man dieses Thema anpackt. Der einfachere Schein ist der Sportbootführerschein Binnen. Wenn man zusätzlich auch noch herausfinden möchte, ob der Natursport Segeln einem liegt (oder das auch schon weiß), dann sollte man mit dem Sportbootführerschein Binnen unter Segel und Motor beginnen.
Plant man in jedem Fall beide Scheine zu machen, bietet es sich vielleicht an, aus Kostengründen mit dem Sportbootführerschein See zu beginnen. Näheres können die Verbände oder die Sportbootschulen mitteilen.


Gibt es auch eine Segelqualifikation zum Sportbootführerschein See?

Nein. Der Sportbootführerschein See beinhaltet in Theorie und Praxis weniger Kenntnisse über Motorkunde (und kein Segelwissen), sondern beschäftigt sich mit Navigation, Recht und Seemannschaft. Vergleichbar mit dem was der Sportbootführerschein Binnen unter Segel und Motor ist, hat man die Möglichkeit sein Wissen nach dem Erwerb des Sportbootführerscheines See auszubauen, indem man den Sportküstenschifferschein (SKS) macht. Hier werden neben zusätzlichem Wissen zu den erwähnten Bereichen auch wieder Segelkenntnisse in Theorie und Praxis abverlangt.


Ist eine Teilnahme an einem Kurs erforderlich?

Nein. Anders als beim Autoführerschein ist die Teilnahme an einem Kurs bei einer Wassersportschule nicht notwendig. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Bewerber in den meisten Fällen nicht ausreichend vorbereitet sind. Sich nur ein Buch zu kaufen und die Fragen und Antworten auswendig zu lernen, ist zu wenig. Die Fahrschulen kennen die Besonderheiten der Prüfung genau und können die Bewerber einfach besser vorbereiten.


Stellt die Prüfungskommission ein Boot für die praktische Fahrprüfung?

Nein. Die Prüfungsausschüsse nehmen nur die praktische Fahrprüfung ab. Ein Prüfungsboot wird nicht gestellt. Entweder der Bewerber wendet sich an eine Wassersportschule und kommt nach der Ausbildung auf diesem Boot zur Prüfung oder man muss das eigene Boot mitbringen. Hier zeigt sich allerdings, dass die Fahrschulen die Besonderheiten der Prüfung genau kennen und die Bewerber ggf. besser vorbereiten können.


Empfiehlt es sich den Sportbootführerschein See und den Sportbootführerschein Binnen am selben Tage prüfen zu lassen?

Nein. Dieses sollte man nur dann in Erwägung ziehen, wenn man sowieso schon durch praktisches Wissen vorbelastet ist. Fast 400 Fragen beim Sportbootführerschein See plus 400 Fragen beim Sportbootführerschein Binnen unter Motor überfordern die meisten Bewerber. Den Binnenschein kann man einfach beim nächsten Termin prüfen lassen. Vielleicht zusammen mit der pyrotechnischen Prüfung FKN?


Welche Altersgrenze gilt für Motoren unter 5 PS?

Unter 3,68 KW / 5 PS benötigt man keinen Führerschein. Aber ab welchem Alter?
Die Altersgrenze ist unterschiedlich geregelt:

  • Auf Seeschifffahrtsstraßen gibt es keine genaue Regelung. Der Führer muss "geeignet sein". Die Wasserschutzpolizei Bremen betrachtet jemanden ab einem Alter von 14 Jahren als geeignet.
  • Auf Binnenschifffahrtsstraßen muss der Führer/Rudergänger, wie in der BinStrO vorgeschrieben, 16 Jahre sein.
  • Auf freien Gewässern, z.B. Seen, die Aller, im Rahmen einer Ausbildung des DMYV, etc., muss man den Besitzer fragen, was er für geeignet hält. Vor Gericht gelten 12 Jahre als geeignet.
  • Versicherungen versichern Schäden im Binnenbereich ab 12 Jahren, im Seebereich ab 14 Jahren. Das gilt aber nicht für den Tender einer Yacht, sondern nur, wenn das Beiboot als "Spielboot" extra versichert ist.

Tender sind für die Crew und nur in Sichtweite der Yacht versichert.
Im Ausland muss man sich informieren. In Kroatien z.B. ist das Fahren mit dem Beiboot mit jedem Motor führerscheinpflichtig.


Kann ich eine pyrotechnische Prüfung (Sachkundenachweis) auch ohne einen Sportbootführerschein machen?

Surfer, Kanuten, Alpinisten oder Modellbauer benötigen keinen Sportbootführerschein und müssen trotzdem eventuell einen Sachkundenachweis über den Umgang mit pyrotechnischen Stoffen erbringen. Bei dem Prüfungsangebot des DMYV und des DSV ist es nicht möglich ohne einen Sportbootführerschein oder anderen anerkannten Schein eine pyrotechnische Prüfung abzulegen. Weitere Info unter pa-bremen.de/pyro.php.
Alternativ gibt es Prüfungen zum Sachkundenachweis SKN. Weitere Informationen gibt es unter SKN@pa-bremen.de.


Mein Sportbootführerschein / Segelschein / Funkzeugnis ist mir abhanden gekommen. Was muss ich tun, um eine Ersatzausfertigung zu bekommen?

Die Prüfungsausschüsse schicken nach bestandener Prüfung die Daten zu einer zentralen Stelle bei den Wassersportverbänden. Die alten Daten über Funkprüfungen sind von der RegTP zu den Verbänden geschickt worden. Zu erreichen ist der Deutsche Motoryachtverband (DMYV) telefonisch unter: (040) 639043-0 und Fax: (040) 639043-11. Der Deutsche Seglerverband (DSV) hat die Telefonnummer (040) 632009-0 und Fax: (040) 632009-28. Oder Sie schicken eine Email an ersatzausfertigung@pa-bremen.de. Dann senden wir Ihnen die Anträge per Email zurück.


Wie lange ist mein Sportbootführerschein oder mein Funkzeugnis gültig?

Sportbootführerscheine und Funkzeugnisse in der Sportschifffahrt sind lebenslang gültig. Eine zeitliche Einschränkung gibt es nur bei Berufszeugnissen. Ein Sportbootführerschein wird aber ungültig, wenn die Voraussetzungen, z. B. die Sehfähigkeit nicht mehr gegeben sind. Eine jährliche Überprüfung gibt es nicht.


An welchem Funkgerät wird die Funkprüfung gemacht?

Alle Prüfungsausschüsse sind mit der Anlage ICOM M503 / DS 100 ausgestattet. Diese Anlagen werden zu den Prüfungen zum Funkbetriebszeugnis SRC und dem Sprechfunkzeugnis UBI mitgebracht. Ob weitere Anlagen vorhanden sind, müssen Sie mit dem jeweiligen Prüfungsausschuss abklären.


Wie schnell darf ich eigentlich auf der Weser fahren?

Im Geltungsbereich der BinSchStrO (Binnen) beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Kleinfahrzeuge 35 km/h gegenüber dem Ufer. In Stadtgebieten (HannMünden, Bodenwerder, Ohr bis Hameln, Minden sowie Bremen) beträgt die Höchstgeschwindigkeit allerdings 12 km/h zu Berg bzw. 18 km/h zu Tal. Das Stadtgebiet Bremen beispielsweise erstreckt sich von der Eisenbahnbrücke bis zur Weserschleuse. Der Gesetztestext über Fahrgeschwindigkeit im Weserstromgebiet bzw. die gesamte Binnenschifffahrtsstraßenordnung ist bei dem Elektronischen Wasserstraßen-Informationssystem (ELWIS) zu finden.


Mein Schiff ist größer als 15 Meter. Welches Patent benötige ich auf einer Binnenschifffahrtsstraße?

Mit dem Sportbootführerschein Binnen darf man auf Binnenschifffahrtsstraßen nur mit Sportbooten unter 15 Meter Länge fahren. Die Yachten heutiger Freizeitkapitäne werden allerdings immer größer oder man kauft sich ein altes Binnenschiff und baut es zu Wohnzwecken um. Die Begriffe Aak, Luxemotor, Steilsteven oder Spits lassen da die Herzen höher schlagen. Da diese Schiffe meist größer 15 Meter Länge sind, muss man sich aber nach einem alternativen Patent umschauen.
In der Binnenschifferpatentverordnung ermöglicht das Sportschifferzeugnis E das Führen von Sportbooten bis 25 Meter (Informationen zum Sportschifferzeugnis E).
Für die Wasserstraße Rhein besteht darüber hinaus eine gesonderte Patentverordnung. Hier kann man das Sportpatent erwerben, um Sportboote bis 25 Meter zu führen (Informationen zum Sportpatent).
Für Fahrten mit Hilfe von Radargeräten benötigt man auf den Binnenwasserstraßen ein Radarpatent (Informationen zum Radarpatent).
Für das Sportschifferzeugnis E, das Sportpatent, das Radarpatent oder das Permis péniche de plaisance (PP) gibt es Kurse oder Fernkurse.
Zuständig für die Erteilung der Patente sind die Wasser- und Schifffahrtsdirektionen. Prüfungen finden bei den Wasser- und Schifffahrtsämtern statt.
Für folgende Wasserstraßen müssen zusätzliche Streckenkenntnisse nachgewiesen werden, die im Streckenzeugnis zu dokumentieren sind;

  • Elbe von Schöna (km 0,0) bis zur oberen Grenze des Hamburger Hafens (km 607,5);
  • Weser von Hann-Münden (km 0,0) bis Minden (km 204,45)
  • Donau von Vilshofen (km 2249,0) bis Straubing (km 2327,72)
  • Untere Havel-Wasserstraße von Plaue (km 68,0) bis Havelberg (km 145,8)
  • Oder von Ratzdorf (km 442,4) bis Widochowa (km 704,l)
  • Saale von der Mündung in die Elbe (km 0,0)bis Bernburg (km 36,65)

In Frankreich kann man für Schiffe über 15m das "Permis péniche de plaisance (PP)(Informationen zum PP)" (bis 40m), in Großbritannien das "International certificate of competence (ICC)" (bis 24m) und in den Niederlanden den "Klein Vaarbewijs" (keine Größenbeschränkung) ablegen. In Polen gibt es nur eine Einteilung nach Motorleistung, keine Größenbeschränkung. Über 1000cm3 Hubraum wird der "Starszy sternik motorowodny" benötigt.